Bischof Kräutler im Cubus

Glauben leben – Hoffnung geben“, wohl wenige Menschen verkörpern dieses Motto des 500-jährigen Jubiläums der Pfarre Wolfurt so authentisch wie Bischof Erwin Kräutler.

In einem ungezwungenen, fast familiären Gespräch mit Moderator Roland Poiger in  unverfälschtem  Koblacher Dialekt erzählt der alternative Nobelpreisträger ĂĽber seine Arbeit in Brasilien, seine Erfolge, Misserfolge und RĂĽckschläge im Kampf fĂĽr die indigene Bevölkerung am Xingu.

1965 ging er als „Diener Christi“ nach Brasilien und seither vertritt er in gelebter Nächstenliebe unerschrocken die Anliegen der armen, benachteiligten  und ausgegrenzten Menschen der groĂźflächigen Urwaldregion.

„Gott ist in allen Menschen nicht über den Menschen“ zitiert der Bischof einschlägige Bibelstellen und Kirchendekrete. „Wer diese Menschen erreichen will, muss zu ihnen gehen und mit ihnen gehen und ihnen zuhören und sie ansprechen auf Augenhöhe. Hierarchische Strukturen sind dann gut und notwendig, wenn sie für das Kirchenvolk hilfreich sind.“

Begeistert erzählt er über die Aufbruch -Stimmung vor 50 Jahren beim 2. Vatikanischen Konzil, die Zuwendung der Kirche zum Gottesvolk, das neue Verständnis und die Verantwortung der Laien, die wichtige Rolle der (Basis)gemeinden.

Diese Begeisterung hat sich Bischof Kräutler bis heute sichtlich bewahrt, er tut, was er sagt, und er sagt unerschrocken und unverblümt, was er denkt.

Die fast 400 Zuhörer im Cubus waren ihm dankbar dafür, spendeten anhaltenden Applaus und einen namhaften Betrag für die Umsetzung seiner Vorhaben.


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Vortrag Pfr. Giselbrecht

Die Bibel im Zentrum

Pfarrer Eugen Giselbrecht brachte am Anfang seines Vortrags seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Pfarre Wolfurt bei ihrem 500 Jahr Jubiläum mit dem „ ICH- BIN –WEG“ von Wolfurt nach Bildstein und der laufenden Bibelausstellung das Wort Gottes ins Zentrum des Jubiläums gestellt hat.

Im Stile des kraftvollen Predigers verkündete der 80 Jahre „junge“ ehemalige Pastoralamtsleiter den interessierten Zuhörern im vollbesetzten Alten Schwanen die Bedeutung der Bibel als Kraftquelle für die Juden im Alten Testament und als die „Gute Nachricht“ für die Gläubigen Christen im Neuen Testament.

 

Pfr. Giselbrecht verstand es,  Wissenswertes ĂĽber die Entstehung der BĂĽcher und  die Evangelisten einprägsam zu vermitteln und  gab auch praktikable Hinweise, wie man allein und mit anderen das Wort Gottes aufnehmen und im Alltag leben und umsetzen könnte.

Im II. Vatikanum haben die Bischöfe das Wort Gottes  gleichberechtigt neben die Eucharistie gestellt. „Diese zukunftsweisende Erkenntnis könnte gerade heute, in Zeiten des Priestermangels und der notwendig gewordenen Pfarrzusammenlegungen von existenzieller Bedeutung fĂĽr das Christentum werden“, meinte der erfahrene Kirchenmann und verwies auf die  Kirchengeschichte. So wie In Zeiten der Not und babylonischen Gefangenschaft, als der Tempel niedergerissen und das Volk ohne Priester war,  die Schriften des Alten Testamentes entstanden und den Gläubigen Orientierung und Hoffnung gaben, so kann auch heute die Bibel fĂĽr jeden Einzelnen, aber auch fĂĽr die Gemeinschaft der Gläubigen, ein wichtiges und verlässliches  Fundament zur positiven Bewältigung des Lebens sein.

Nach dem eindrucksvollen Vortrag nutzten viele Zuhörer noch die Gelegenheit, die Ausstellung im Pfarrheim zu erkunden und in gastlicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen das Gehörte zu verdauen.

 

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Vortrag Rainer Bucher

Wenn nichts bleibt, wie es war“ – das 2. Vatikanische Konzil und die zukünftige Gestalt unserer Kirche“

Am 5. November war Prof. Rainer Bucher, Pastoraltheologe aus Graz, bei uns im Cubus zu Gast.

Prof. Bucher sprach von den großen Veränderungen, die unsere Gesellschaft in den letzten Jahren durchlaufen hat. Er lud die Zuhörenden ein, sich gedanklich ins Jahr 1982 zurückzuversetzen. Wer hätte damals die Entwicklungen der folgenden Jahre auch nur im Entferntesten für möglich gehalten: Den Zusammenbruch des Kommunismus, den Fall der Berliner Mauer, die Entwicklung des Handys oder den Siegeszug des Internets?

Die Veränderungen in unserer Gesellschaft sind immens. In diese Zeit der Veränderungen ist auch die Kirche hineingestellt.

Die katholische Kirche hatte ĂĽber Jahrhunderte das Leben der Menschen in weiten Teilen beherrscht. Sie interpretierte den Kosmos, die Wissenschaft, die Ordnung der Gesellschaft und auch die Moralvorstellungen. Diese Deutungsmacht hat sie verloren.

Während die Kirche früher das Dach der Gesellschaft war, ist sie heute nur ein Segment unter vielen – und im Wettstreit auf dem Markt mit vielen Anbietern, die auf die Sinnfrage der Menschen antworten wollen.

Wenn die Kirche heute bei Menschen Gehör finden will, dann muss sie nach Prof. Bucher das Programm des 2. Vatikanischen Konzils, das vor 50 Jahren eröffnet wurde, endlich für sich zu entdecken beginnen.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“

So formulierte es das 2. Vatikanum in der „Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute“ (Gaudium et spes 1).

Prof. Bucher wünscht der Kirche, dass sie weg von jeglichem Machtgehabe kommt, um wieder zu einer Autorität in unserer Gesellschaft werden zu können.

Kirche wird dann Zukunft haben, wenn sie die Menschen in ihren Freuden und Nöten wahrnimmt, wenn sie die Bedürfnisse der Menschen hört, wenn sie Interesse an den Menschen und ihren persönlichen Lebenswegen zeigt, auch wenn diese Wege vielleicht nicht mehr unseren überkommenen Vorstellungen entsprechen. Sie hat Zukunft, wenn sie den Menschen hilft, ihr persönliches Leben mit der Botschaft Jesu in Berührung zu bringen.

Dazu muss die Kirche den Menschen vor allem Raum geben. Sie muss Kommunikationsräume schaffen, in denen Menschen mit ihren Lebens- und Glaubensfragen angenommen werden und mit überzeugten Christen gemeinsam nach Antworten suchen können.

 

Reden wir mit anderen Menschen ĂĽber die Hoffnung, die uns erfĂĽllt.

 

Andrea Hinteregger

 

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Pfarre Wolfurt 2017
Kontakt: Kreuzstraße 7, 6922 Wolfurt